Zucht vom kleinen „Kuckuckswels“?? Synodontis Petricola

  

Als absoluter Tanganjikasee-Fan kommt man über kurz oder lang auch nicht an Fiederbartwelsen der Gattung Synodontis vorbei. Einen Zuchtbericht von Synodontis multipunctatus finden Sie in Fish-Light. Heute möchte ich über die Zucht von Synodontis petricola, dem kleinsten Fiederbartwels des Sees schreiben. Er wird nach Literatur ca. 12 cm groß, ich habe jedoch selten solch große Tiere gesehen. Was mich an dieser Art faszinierte war der flache Kopf, im Gegensatz zu den S. multipunctatus, und das diese Art unabhängig von Futterzugabe auch sehr tagaktiv ist. Man hält Synodonten im Schwarm am besten mindestens 10 Tiere in Gesellschaft anderer Tanganjikabewohner oder auch Malawisee-Cichliden, denn hier sind die nowendigen Wasserparameter, mindestens PH von 7,5 und KH 10 und höher in den meisten Fällen gegeben. Synodontis petricola mögen es alkalisch. Sie können auch ohne weiteres mit kleineren Fischen vergesellschaftet werden, ich habe nie erlebt, dass Sie Nachwuchs von Maulbrütern nachstellen, dafür ist auch ihr leicht untenständiges Maul nicht unbedingt geeignet. Bei eierlegenden Cichliden bin ich mir jedoch sicher, dass S. petricola den bewachenden Elterntieren in der Nacht durch Ihre Fühlorgane (Barteln) gern mal das eine oder andere Ei aus dem Gelege stibitzt. Die von mir gehaltenen eierlegenden Arten (Neolamprologus, Lamprologus und Julidocchrromis) haben jedoch bei mir bei genügenden Versteckmöglichkeiten immer ausreichend Nachwuchs gehabt. Zur Zeit halte ich S.petricola in Gesellschaft mit Julidochromis ornatus, Lamprologus leleupi, Lamprologus Ocellatus, Cyprichromis leptosoma utinta und Tropheus Duboisi Maswa. Was mich dabei immer überraschte war die Tatsache, dass meine fast 10 cm großen Synos nach der Fütterung eindeutig zu unterscheiden waren, ich füttere hier 1-2-mal wöchentlich Cyclops, wegen der Tropheus viel Trockenfutter, dass die Weibchen ganz klar am Laichansatz zu erkennen sind. Der Laichansatz bleibt dann auch für einige Tage und war dann irgendwann verschwunden. Leider konnte ich nie Nachwuchs verzeichnen, was mich doch reizte der Sache auf den Grund zu gehen. Leider gab auch das Internet nicht unbedingt Aufschluss über Zuchterfolge, auch diverse Fachliteratur half mir nicht weiter, fälschlicherweise wurden S.petricola als Kuckuckswels bezeichnet, nie hatte ich sie jedoch dabei beobachtet, dass sie reges Interesse an der Eiablage von Maulbrütern hatten. Auch die Vermutung, sie würden Ihre Eier eierlegenden Tanganjikabewohneren unterjubeln bestätigte sich nicht. Also beobachteten wir, meine Frau und ich die Synos des Öfteren in Ihrem Verhalten. Die Tiere sind strömungsliebend und die Männchen treiben die etwas runderen Weibchen gerne stundenlang durchs Becken. Erst stutzig wurden wir als sich mehrere Männchen ausschließlich um ein pralles Weibchen etwas intensiver bemühten. Dies geschah in den Wurzeln einer Anubias barterie, wir vermuteten, dass dies die Welse wohl motivieren würde. Dieses Balzspiel was immer so ablief, dass Männchen und Weibchen sich in gegensätzlicher Richtung umklammerten endete dann mit einem Schwall Eier, die wir verblüffender Weise nun in den Mäulern anderer Fische, die sich das ganze aus nächster Nähe ansahen, verschwinden sahen, ein richtiges Festmahl. Nun hielt das Schauspiel mehrere Minuten an, sodass schätzungsweise ca. 200-300 Eier verspeist waren. Tja nun wussten wir, wo der Laichansatz verblieb, doch leider noch nicht, wie man den Laich retten kann. Also machten wir uns auf Erkundungstour. Wir nutzten ein Plastikaquarium mit Deckel, wie man sie in diversen Petshops zum Transport von Hamstern etc. findet, Größe 30 cm x 20 cm x 20 cm. Vorteil des Deckels, man kann hier ein vorgegebenes Loch öffnen, der den Synos als Einstieg dienen soll, und andere Fische davon abhält die Eier im „Vorbeischwimmen“ zu verputzen. Um es den Synos kuschelig zu machen, versahen wir unsere selbstentworfene „Popp-Box“ noch mit Javamoos und Hamburger Mattenfiltermaterial auf dem Boden. In der Box fanden nun neugierige Synos Einzug. Neugierig erforschten die Jungs den Kasten. Nach 2-3 Tagen fanden regelrechte Kämpfe unter den Männchen statt, bis ein Weibchen, welches gut ausgesucht und über den dementsprechenden Laichansatz verfügt, den Eingang in den Behälter fand. Nun folgt nach diverser Rangelei wieder das gleiche Spiel wie vorhin erklärt unter der Anubias statt. Nach diverser Umklammerung fliegen die Eier durch die Gegend und ein Teil davon im Mattenfilter. Meistens war nur ein Männchen, das stärkste, mit dem Weibchen in der Box, die anderen wohl unterlegenen Tiere wurden aus der Box gejagt. Ich habe auch nie beobachtet, dass mehrere Männchen bei der Befruchtung der durch die Box schwebenden, vom Weibchen abgelassenen Eiern beteiligt waren. Nach 1-2Tagen, je nach weiterer Aktivität der Synos hebe ich die „Popp-Box“ samt Inhalt aus dem Gesellschaftsbecken und belüfte sie mit einem Sprudelstein. Vorteil bei dieser Aktion ist, dass die befruchteten Eier im gleichen Wasser aus dem Gesellschaftsbecken verbleiben. Die Eier entwickeln sich sehr schnell, ca. 30-36 Std nach Ablage schwimmen schon die ersten Larven durch das Becken, die nun sofort gefüttert werden wollen. Im Gegensatz zu S. multipunctatus kann man S. Petricola nicht sofort mit Artemia-Nauplien füttern, da die Nauplie am Anfang größer als das Syno-Baby ist. Also müssen Kleinstlebewesen her, aber woher. Also nahm ich einen meiner im Gesellschaftsbecken eingesetzten Filterschwämme und drückte diesen über den Larven aus. Im Filterschwamm und dessen Schlamm hausen diverse Kleinstlebewesen, die die Synos Anfangs mit vertilgen. Dieses und die Zugabe von Kleinst-Artemia-Nauplien, ab dem 5.-6. Tag lassen die kleinen langsam wachsen. Bei den ersten Zuchten musste ich leider feststellen, dass die S.petricola bei zu extremer Fütterung platzen, was mich zum geringeren Dosieren zwang. S. petricola lässt sich nicht wie multipunctatus großziehen, doch während S. multipunctatus sich falls zu wenig genährt auch mal an seinen Geschwistern vergreift, besteht diese Gefahr bei S. petricola nicht. Die kleinen petricola schwimmen bei kurzen Berührungen mit einem Geschwistertier sofort auseinander, ich habe dies verglichen mit einem Magneten, an dem man die gleichen Pole aneinanderhält, ein witziges Bild. Es scheint, als wenn das Sehvermögen sehr gering ist, doch über eine Berührung eine Flucht ausgelöst wird. Selbst 1-1,5 cm große Jungtiere haben sich nicht an gerade 0,5 cm großen Jungtieren vergriffen, was die Aufzucht recht einfach macht. Die jungen Synos wachsen nun bis zu einer Größe von 3-3,5 cm in 3-4 Monaten heran, danach bedarf es jedoch viel Zeit für Wachstum. Nach einem Jahr haben sie ungefähr eine Größe von 6 cm und sind frühestens nach 2 Jahren ausgewachsen und geschlechtsreif, die Unterschiede sind wie oben beschrieben am einfachsten am Bauchumfang der Weibchen zu erkennen. Mittlerweile hältere ich in fast jedem Aquarium mindestens 50, meist mehr Synodontis petricola in Gesellschaft mit anderen Bewohnern. S.petricola ist ein sehr friedlicher aktiver Bodenbewohner, den ich auch mit Salmlern und Lebendgebährenden vergesellschafte, sofern das Wasser einen PH > 7 aufweist. Ein witziges Bild stellt ein umgekippter Blumentopf mit Loch nach oben in einem meiner Becken dar, ca. 100-150 Synos bewohnen ihn. Sobald man ihnen Ihr Dach wegnimmt, oder man füttert in diesem Becken, so kommt der ganze Schwarm Synos um gierig zu fressen. Optisch ähnelt dieses einem Schwarm Wespen oder Bienen, die bei Bedrohung Ihr Nest verlassen um den Angreifer zu vertreiben. Jeder der diese Tiere hält, wird sicher begeistert sein von Ihrer grazilen Schwimmweise und dem flachen Körper, ein interessanter „Nicht“- Kuckuckswels, denn so wird er leider nach wie vor in diverser Literatur beschrieben.